Meine Transition Episode 1

Ich bin mich selbst. Was heisst dies nun konkret? Bin ich Frau? Mann? Sonst etwas?

Ich fühle mich als Frau. Ich fühlte mich schon immer mehr oder weniger als Frau.

Ich habe mich dem Druck der Gesellschaft lange Zeit gebeugt und habe die Rolle eines Mannes gespielt. Darin wurde ich von Jahr zu Jahr immer besser. So kam kaum jemand jemals auf die Idee, dass ich vielleicht gar kein Mann bin, bzw. dass ich meine männlichen Körpermerkmale hasse. Ich habe ja sogar mich selbst überzeugt, dass ich Mann bin.

So hat niemand bemerkt, wie ich parallel ein verstecktes Doppelleben hatte, wo ich mich sein konnte. Aber eben nur ganz gut versteckt. Schliesslich war ich jahrzentelang umgeben von Menschen, die mich dominierten und Regelbrüche mit Liebesentzug und teilweise auch Folter bestraften. Da sind vor allem viele „Leiter“ von christlichen Freikirchen zu erwähnen. Aber sicherlich auch weitere christliche Aktivisten, die stark auf Regelbrüche achten.

Als ich die Fesseln der christlichen Freikirchen abwarf wurde auch mein Denken befreit. Nach und nach erlaubte ich auch mir selbst zu forschen, wer ich denn wirklich bin.

So kam ich zu folgendem Ergebnis: Ich bin psychisch und seelisch eine Frau. Dies mir selbst gegenüber auszusagen war bereits eine grosse Befreiung und es machte Sinn. Ich spürte mich selbst und erlebte eine grosse Ruhe nach all den Jahren voller Unruhe.

Was nun?

Zuerst begann ich mal mit der Information: Ich bin Frau, ich heisse Jackie. Dies ist nun öffentlich und kein Geheimnis mehr.

Was folgt nun?

Ich werde meinen Namen offiziell und amtlich ändern. Dieser Prozess kann einige Zeit in Anspruch nehmen und in dieser Zeit unterscheiden sich mein richtiger und mein amtlicher Name.

Ich werde medizinische Hilfe in Anspruch nehmen um meinen Körper weiblicher zu gestalten. Dies ist in einem ersten Schritt HRT, PHR und VT.

HRT: Homon Replacement Therapy. Dabei wird das Testosteron unterdrück und zusätzlich mit einem Östrogen ergänzt. Damit wird dem Körper laufend mitgeteilt, sich weiblicher umzuformen. Wenn es gut klappt, starte ich damit im September 2020.

PHR: permanent hair removal. Permanente Haarentfernung. Mich stört der Bartwuchs und die Behaarung vor allem am Hals extrem stark. Ich habe dies schon immer gehasst und bin dankbar, wenn es dann endlich nicht mehr nachwächst.

VT: voice training. Dabei wird die Stimme geschult, weiblicher zu tönen. Dies ist der Anfang und dann sehen wir weiter, ob es auch noch Anpassungen an den Stimmbändern benötigt, um weiblich zu tönen und als Frau am Telefon erkannt zu werden (das ist das Ziel).

Wichtiger Nachtrag für alte Freunde und Bekannte

Liebe Freunde, ich habe euch nichts vorgespielt. Ich habe nicht einen Mann gespielt, obschon ich eine Frau war. Ich habe die weiblichen eigenschaften in mir unterdrückt, um als Mann akzeptiert und geliebt zu sein. Also, um zur Gruppe (Kirche, Hauskreis, Familie) dazu zu gehören.

Ganz viel davon habe ich unbewusst gemacht und schon sehr früh (als Kleinkind) damit begonnen. Denn ich habe früh gelernt, dass ich einer Rolle genügen muss und sonst bestraft werde.

Doch in all den Rollen, die ich innehatte war ich zutiefst immer mich selbst. Da drin war immer Jackie, egal wie ich gerade lebte und kommunizierte. Egal was wir gerade unternahmen, sei es auf einer Reise, einem Ausflug, an einem Filmabend, bei einem gemütlichen Abendessen, bei einer christlichen Veranstaltung.

Jackie war auch immer da. Sehr verborgen, aber da.